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Die kürzeste Rollstuhl Geschichte

Der Leicht-Rollstuhl steht an der Second Avenue und der 72zigsten Strasse. In seinem Sitz wartet ein etwa zweiundsiebzigjähriger Passagier auf den Bus.

Ich denke wieder einmal "armer Kerl". Er schaut mich an und lacht. Ich lache zurück und freue mich, dass er sein Lachen behalten hat.

Der Bus hält direkt neben ihm. Der Chauffeur fährt den Lift aus, um den wartenden Rollstuhlfahrer in den Bus zu heben.

In diesem Moment steht dieser auf, geht um seinen Rollstuhl herum und hebt ihn auf die Rampe. Dann gibt er dem Chauffeur sein OK. Nachdem sein Rollstuhl im Businneren steht, springt er leichten Fusses in den Bus. Alle sind sprachlos. Der Chauffeur fährt weg und schüttelt seinen Kopf bis zum nächsten Halt.

Die kürzeste Rollstuhl Geschichte

Der Zugewanderte

"Niopo, Niotei" tönt es in der Nähe des Hunter Colleges.

"Niopo, Niotei"

Da ist es wieder.
Es muss ein Japaner sein, geht es mir durch den Kopf.

Am Rande des Gehsteigs entdecke ich den Rufer. Er trägt eine frisch gewaschene Küchenschürze und bewegt sich ruhelos von einem Fuss auf den anderen tretend. Sein Mund begleitet ihn im Rhytmus, indem er einen Kaugummi mit seinen Zähnen zu zermalmen versucht.

"Niopo, Niotei", ruft er unverdrossen.

Ich schaue ihm eine Weile zu, um herauszufinden was seine Botschaft ist.

Er hat seine Arme ausgebreitet und streckt den Passanten zwei Zeitungen entgegen, die er in seinen Händen hält.

"Niopo, Niotei", rollt es über seine Lippen.

Warum japanisch, denkle ich bis die Titel der Zeitungen mir ins Auge springen.

"New York Post" und "New York Times".

Ich schmunzle und mache mich auf meinen Weg.

"Niopo, Niotei" ruft es in den New Yorker morgen.

Einige Tage später spreche ich ihn an. Sein Name ist Pedro, er sei aus Peru und nach Amerika gekommen um reich zu werden. Vor mehr als dreissig Jahren. Er habe auf dem Bau gearbeitet und seine Frau hat wohlhabenden Müttern die Kinder erzogen.

Ich beobachte ihn wie er den Verkauf handhabt, das Geld entgegen nimmt und Kleingeld herausgibt. Wenn er eine Zeitung verkauft hat, lässt er die Münzen in ein Marmeladeglas fallen. Die Noten steckt er in eine Tasche, welche unter seiner Schürze steckt.

Neben ihm am Gehsteigrand stehen drei Harassen auf dem Kopf. Darauf liegen streng ausgerichtet verschiedene Zeitungen.

Seine Frau sei vor einem halben Jahr gestorben, teilt er mir traurig mit, und ihm sei es langwelig geworden. Jetzt macht sein Leben wieder Sinn.

Pedro winkt mir über die Strasse nach, wenn er mich am morgen entdeckt. In Gedanken umarme ich ihn jedesmal.

Grill_Harlem<NYC.jpgSonntag in Harlem
Jenny summt vor sich hin. Ihr leerer Magen begleitet sie mit einem sanften Knurren. Ihr Blick ist verklärt.
Sie schaut auf den Grill vor ihr. Da liegen sie, ihre Würste, die sich vor Schmerzen krümmen und sich vor lauter Angst aufbäumen, mit dem Wissen bald zerfleischt zu werden.

Wenige Schritte neben ihr steht Gonzalez mit seinen 200 Kilogramm die ihn täglich überall hin begleiten. Er prüft den Salzgehalt der brutzelnden Burger. "Zuwenig", stellt er fest und beugt sich nochmals einige Minuten lang über das Fleisch. Sein Stirnschweiss ist Garantie für die kräftig gesalzenen Burger.

Etwas unbemerkt, am Rande des Parkes, attakiert Bob, Anna's Verlobter, mit seinem überfetteten Herz das Steak. Er beisst das letzte mal zu, was er aber noch nicht weiss. Dann fällt er. Mit vollem Mund und erstaunt, schaut er noch einmal kurz zum Himmel hinauf, wo eine schlanke Möve eine göttlich elegante Kurve fliegt, auf der Suche nach frischem, cholesterinarmen Fish, dann schliesst er für immer die Augen.

Hallelujha. Es ist BBQ-Tag in Harlem.

Crazy Cab Driver
Ich habe im Taxi Platz genommen und frage den Chaffeur, ob er mit dem Sandwich in der Hand sicher fahren kann.

"Klar, ich habe im Krieg einen Tank gefahren".

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Beim Zahnarzt in NY

Im Wartezimmer stehen Kaffee und Kuchen bereit. Eine Dame schlurft herein. Sie komme zufällig vorbei, bemerkt sie und fragt, "Kann ich den Doktor sehen?".
Er sei an der Arbeit, sie solle Platz nehmen und warten, antwortet man ihr.

Sie murmelt, schaut auf den Kaffee, den Kuchen und auf die Früchte. Dann greift sie sich ein paar Traubenbeeren und schiebt sie sich in den Mund.

Ihr Blick schweift über das Wartezimmer. Dann grabscht sie die Früchte und packt sie in ihre Tasche.

Ein letzter Rundblick und sie packt den Kuchen. Den lässt sie unbemerkt-elegant in Ihre Tasche fallen. Sie geht zur Reception und sagt. "Also dann, ich komme später nochmals vorbei".

Gino Moretti, der Italiener
Der elektrisch angetriebene Rollstuhl steht an der Strand-Promenade. Sein Fahrer, etwa um die 60, spielt mit dem Steuerknüppel.

Er wendet den Rollstuhl mehrere Male nach links, dann nach rechts und schliesslich in Richtung zum Ozean.

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Das Stück Fleisch grinst mich dumm an

Es steckt zwischen zwei Pelzen. Einem Mantel und einer Mütze. Beides um die 20'000.00 Dollar wert. An der Madison Avenue in New York. Das Stück Fleisch scheint nicht mehr ganz frisch zu sein.

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Eine starke Idee
Neugierig wie ich bin und dank meinem guten Gehör, verfolgte ich gestern in Bus eine interessante Geschichte. Hört gut zu!

Vor einigen Jahren kaufte Donald Trump ein mehrstöckiges Haus am Central Park.

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Alles rollt bestens
Auf dem Gehsteig vor mir kämpft Susana, Latina (66) - ich kenne sie von meinen Busfahrten -mit dem Schaltknüppel ihres Rollstuhls.

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Feuer! Feuer!
"Halt, warten Sie einen Moment!", fordert mich der Feuerwehrmann auf dem Gehsteig auf.

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Eine Busfahrt

Der Bus hält an der 72sten und First Avenue. Endlich, denke ich. Das hat wieder einmal gedauert. Als letzter steige ich ein. Vorne ist alles besetzt. Mein Blick schweift nach hinten. Alles leer. Nein, da sitzt einer.

Schön, hinten sitze ich am liebsten. Auf dem Weg durch den Bus wird die Luft dicht. Meine Nase nimmt den Geruch wahr. Modrig und abgestanden. Meine Reflexe wachen auf und bringen mich zum Halt. Ich kehre um und suche einen Sitzplatz weiter vorne. Einige Passagiere sehen mich kommen und schmunzeln.

An der nächsten Station beobachte die zusteigenden Passagiere.

Denen geht es wie mir. Sie suchen ihre Rettung im vorderen Teil des Wagens.

Wenn jemand den Bus verlässt, bewegen sich die Passagiere von hinten nach vorne.

Der Obdachlosse gähnt Er hält in die Hand vor seinen Mund. Welch Klasse.

Eine Busfahrt

Die falsche Richtung
Der Cop auf dem Fahrrad drängt den Asiaten, einen Fahrradkurier, brutal an den Gehsteigrand.

"Du kommst aus der falschen Richtung." zischt er.
Der Chinese zuckt mit den Schultern. "Du bist aus der falschen Richtung gekommen." wiederholt der Cop. Die chinesischen Schultern zucken abermals.

Der Cop schaut sich um. Er ruft einen chinesischen Strassenhändler zu sich. "Sprichst du englisch?" Die chinesischen Schultern zucken. Der Cop schüttelt den Kopf.

Ein junger Chinese im Anzug und Aktentasche kommt des Weges. Der Cop spricht ihn an. "Kannst du meine Worte auf Chinesisch übersetzen?" Der junge Mann mustert den Fahrradkurier, der mit gesenktem Kopf da steht und danach den Strasenhändler, der ihn unschuldig anblickt. Er schaut dem Cop ins Gesicht und lässt seine chinesischen Schultern zucken.

In diesem Moment geht auf der anderen Strassenseite eine Schlägerei los. Der Cop lässt von den drei Asiaten ab und überquert eiligen Schrittes die Strasse. Die drei Chinesen schauen sich an, nicken sich zu und gehen ihres Weges. "Made in China" mehr und mehr präsent in den Vereinigten Staaten.

Asphalt Kau-Boy
Meine Gedanken kreisen um einen Café au Lait, einem getoasteten Baguette und einem . . .

ups, was ist denn das?

Mein rechter Fuss klebt auf dem Gehsteig.
Mit aller Kraft ziehe ich ihn weg. Zwischen Asphalt und meiner Schuhsole spannen sich klebrige Fäden. Aha, das ist die Kombination von Zucker, Polyisobuten, Aluminiumoxyd, Kieselsäure oder Zellulose, zusammen mit einem Weichmacher und wahrscheinlich auch Feuchthaltemittel und Antioxidantien, durchmischt mit Aromen, Säuren, Farbstoffe und Emulgatoren. Scheusslich!

Ich ziehe nochmals. Die Verbindung zum Boden reisst ab. Jetzt nur nicht zurück auf den Asphalt. Auf dem linken Fuss balancierend, gedanklich nahe der Lösung für meine Misere, hüpfe ich zur nächsten Strassenlaterne. Die gibt mir Halt, um einfüssig der klebrigen Masse Zeit zu geben, um zu trocknen.

Es dauert eine Weile. Dieses widrige Monster zeigt mir seinen schlechten Charakter und bleibt einfach kleben. Was ist der Trick, es los zu werden? Der Gedanke an Café au Lait und einer mit Marmelade bestrichenen Baguette geben mir die erforderliche Kraft, mich zu befreien. Geschafft! Die Masse bleibt am scharfen Gehsteigrand kleben.

Hallo Café und Baguette, ich komme.

Wer hat den Kaugummi erfunden?

„Was ist denn geschehen?", fragt mich George, der Bistro-Besitzer. Welch herzhaftes Lachen uns die Geschichte beschert.

Heute keine Parkgebühren
Der Obdachlose überquert die Strasse. Regen prasselt auf seinen feuerroten Regenschutz.
Er geht auf den Mann zu, der neben einer Parkuhr steht. Den Regenschirm zwischen Schulter und Wange geklemmt, versucht er den Schlitz mit Kleingeld zu füttern.

„Vergiss es!", sagt der Obdachlose. „Heute werden die Parkuhren nicht kontrolliert. Wenn's regnet, sitzen die in David's Café und spielen Poker."

Der Mann schaut ihn ungläubig an und blickt zum Himmel. Er hält einen Moment inne und drückt dem Obdachlosen das Geld in die entgegengestreckte Hand.

Ausgleichende Gerechtigkeit.

© 2005 Peter Kunz

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