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Vorstellungskraft ist wichtiger als Wissen.
Albert Einstein

Vorstellungskraft

Die falsche Richtung
Der Cop auf dem Fahrrad drängt den Asiaten, einen Fahrradkurier, brutal an den Gehsteigrand.

"Du kommst aus der falschen Richtung." zischt er.
Der Chinese zuckt mit den Schultern. "Du bist aus der falschen Richtung gekommen." wiederholt der Cop. Die chinesischen Schultern zucken abermals.

Der Cop schaut sich um. Er ruft einen chinesischen Strassenhändler zu sich. "Sprichst du englisch?" Die chinesischen Schultern zucken. Der Cop schüttelt den Kopf.

Ein junger Chinese im Anzug und Aktentasche kommt des Weges. Der Cop spricht ihn an. "Kannst du meine Worte auf Chinesisch übersetzen?" Der junge Mann mustert den Fahrradkurier, der mit gesenktem Kopf da steht und danach den Strasenhändler, der ihn unschuldig anblickt. Er schaut dem Cop ins Gesicht und lässt seine chinesischen Schultern zucken.

In diesem Moment geht auf der anderen Strassenseite eine Schlägerei los. Der Cop lässt von den drei Asiaten ab und überquert eiligen Schrittes die Strasse. Die drei Chinesen schauen sich an, nicken sich zu und gehen ihres Weges. "Made in China" mehr und mehr präsent in den Vereinigten Staaten.

Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen, ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.
Johann Wolfgang von Goethe

Hätte ich das frührer gewusst, dann . . .

Johann Wolfgang von Goethe

Die Aborigines haben keine Schrift entwickelt. Dafür geben uns ihre aussergewöhnlichen und sinnlich anmutenden Bilder einen Einblick in Ihr Seelenleben.

Die Aborigines

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Was tragen Sie von ihm?
Alle Währungen Willkommen. Mille grazie, Giorgio.

Es ist Mitternacht, kurz vor Samstag

Ich kann's nicht lassen, ich bin noch im Internet und frage Google nach einem interessanten "Wochenende".

Was wird mir da offeriert?

- Große Wellnessanlage auf 2000m² , Gourmetküche, Suiten, Beauty, Spa und Golf-Kurs

Wohl alles zu Fuss. Nichts für mich.

- Großes Angebot an günstigen Reisen, ab Basel, Zürich, Bern und München

Also Basel - Zürich liegt drin, für München müsste ich wohl das Wochenende verlängern.

- 3 Tage Kurzurlaub in Deutschland und Sekt, zum Preis von 69,00 Euro

Ja, hier würde ich den Sekt nehmen und mir die 3 Tage Kurzurlaub auszahlen lassen.


Was gibt's noch?

- Ständig aktuelle Last Minute-Preise. Auch ab Basel, Zürich, und Bern

Basel - Zürich scheint ein Renner zu sein. Werden die Last-Minute Preise am Bahnsteig ausgerufen?


Hier noch etwas interessantes:

- Die neue Art zu nächtigen, in Krems & Wiener Neustadt. 42 Euro/Zimmer!

Das würde ich gerne sehen. Da steht nichts verdächtiges. Oder heisst es vielleicht 42 Europäer pro Zimmer? Das könnte die neue Art zu nächtigen sein, kombiniert mit einem Sprachkurs.


Ich glaube, ich lass es bleiben und gehe zu Bett. Am Morgen sehe ich dann weiter, nicht nach Basel, aber sicher bis zum Badezimmerspiegel.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen

© 2005 Peter Kunz

Es ist Mitternacht, kurz vor Sonntag

Jetzt, an diesem Tag, verbrauchen Sie 1,5 Liter Flüssigkeit und tauschen cirka 12'000 Liter Luft aus. Ihr Herz pumpt in dieser Zeit 7'200 liter Blut durch ein 95 km langes Blutgefässsystem.

Ihren Augen bleibt das verborgen. Sie sind zu anderem da. Sie können 160 Farben erkennen und 600'000 Farbschattierunen. Damit sind Sie für den visuellen Genuss bestens ausgerüstet.

Wie immer, tragen sie auch an diesem Tag 40 kg Wasser mit sich, gute 10 kg Eiweiss und vielleicht 10 kg unnötiges Fett.

Wenn Sie Ihre Fettreserven, ca. 80'000 Kcal. für einen Dauerlauf einsetzen, kämen sie 13 Kilometer weit.

Dieses Vorhaben sollten sie sich gut überlegen, denn unsere Ausdauer hat einen kurzen Atem.

Falls Sie es trotzdem tun, haben Sie 639 Muskeln, die Ihnen die Kraft dazu liefern. nach dem Lauf werden Ihre 245 Knochen schmerzen.

Müde geworden? Wären Sie ein Säugling, würde ich es gut verstehen, denn sie bräuchten 16 Stunden Schlaf pro Tag. Als Jugendlicher kämen Sie mit 8.5 Stunden aus als erwachsener reichen Ihnen 7.5 Stunden.

All dies gelesene können Sie ganze 20 Sekunden lang im Ultra-Kurzzeitgedächtnis speichern und im Kurzzeitgedächtnis ganze 20 Minuten.

Nicht tragisch, vergessen Sie es schon vorher. Stellen Sie sich jedoch vor, dass Sie etwa 75 Jahre zum Leben haben und die Gewissheit, dass der Alterungsprozess erst mit 65 Jahren eintritt, ist ein Bonus.

Denken sie ab und zu daran.

© 2005 Peter Kunz

verbrauchen Sie 1,5 Liter Flüssigkeit

Entspannt wartet der Brief in meiner Hand. Wir stehen geduldig in der langen Warteschlange und schieben uns Schritt für Schritt dem Schalter zu.

Der ist die Ruhe selbst, das ist so, seit ich mich erinnern mag.

Hinter mir steht eine ältere und gleichsam jugendlich aussehende Dame. "Hallo". Ihr Gruezi ist gefolgt von einem langen Gähnen, das sie mit der rechten Hand zu verstecken versucht.

Gähnen sei ein Zeichen von Gelöstheit, sage ich zu ihr. Ja, das treffe zu, sie komme soeben vom Yoga. Sie fühle sich entspannt.

Und schon sind wir mitten in einer interessanten Diskussion.

Sie hat vor einem Jahr einen Einführungskurs besucht und praktiziert jeden Tag.

Die Frage, ob man denn nicht als junger Mensch beginnen sollte, beantwortet sie mir mit einem hellen Lachen. "Ich war innerlich schon sehr alt, als ich damit begonnen hatte", sagte sie, "jetzt fühle ich mich wieder jung".

Hatte es viel Überwindung gebraucht, mit etwas ganz Neuem zu beginnen, frage ich sie.

Nach ihrem zweiten lebendigen Lachen, meinte sie, es sei einfacher gewesen, als das Rauchen aufzugeben.

Wieder lacht sie und frägt, was für dumme Fragen ich sonst noch hätte.

Jetzt lachen wir gemeinsam.

Es sei ganz einfach. So wie sie einen Brief mit einem Buchstaben beginne und daraus einen Satz kreiere, der schlussendlich zum Brief wird, so sei es doch mit allem im Leben.

Beginnen Sie Ihre Briefe mit dem letzten Wort und arbeiten sich dann mühsam nach vorne?

Wir lachen beide, wie wenn wir uns schon seit ewig kennen.

"Der nächste bitte", ruft der Schalter.

© 2005 Peter Kunz

Warteschlange

Rot ist die erste Farbe, der Menschen einen Namen gaben.
Von 200 Nationalflaggen zeigen 146 rot.
Der Schweizerpass ist rot.
Rot ist die Farbe der Liebe, rot ist die Farbe des Feuers, rot sind auch die Ferrari.
Vor der roten Ampel hält man an. Wer rot nicht achtet, macht sich strafbar.
Rot war die Farbe des Henkers und der Justiz. Mit roter Tinte unterschrieben die Richter dasTodesurteil.
Die Kirche verwendet Rot an Pfingsten und an allen Märtyrer- und Apostelfesten.
Einige Etablissements und die Werbung verführen uns mit Rot.
Rote Farbe ist sehr teuer, sie enthält Quecksilbersulfid, dessen natürlichen Quellen in Spanien und Italien nahezu erschöpft sind.
Die Polizei weiss davon zu berichten. Kunstmaler, beim Diebstahl ertappt, ziehen in den meisten Fällen rote Farbtuben aus ihren Hosentaschen.
Trotzdem, lasst die Maler laufen. Wir brauchen ihre Bilder; sie wirken sich so angenehm auf unser Gefühlsleben aus.
Achten Sie heute einmal darauf, wie rot auf Sie wirkt.

Rot ist die erste Farbe,

Der vergangene Sonntag, der wohl verdiente Tag unseres Herrn, war herrlich.

Lass uns deshalb nicht schon um 8 Uhr früh für unseren Chef rennen. Vergiss nicht, dass wir nur Menschen sind und Anlaufzeit brauchen.

Am Montag morgen lese ich die Zeitung mit den Sport vom Sonntag. Andere diskutieren über die vergangene Talk-Show. Die Lehrlinge blockieren das Internet. So sammeln wir für die montägliche Kaffeepause unsere Themen.

Lieber Herr, Du siehst, wir sind alle Individualisten. Hilf uns, diese Tradition zu wahren.

Sag uns lieber, wann der Boss mit dem Wagen vorfährt, damit wir an der Arbeit sitzen, wenn er reinkommt. Du weisst ja, eine Hand wäscht die andere!

Montag morgen

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New York inspiriert
Hier in Manhattan bin ich regelmäsig sechs oder mehr Stunden unterwegs. Oft mit der Kamera oder dem CamCorder.

New York ist die Bühne des Welttheaters. Die Bühnenbilder stehen an jeder Strasse und an den Avenues, drei bis fünfstöckig oder bis in den Himmel ragend. Jeden Tag werden sie verändert, leicht nur, für ein neugieriges Auge jedoch immer erkennbar. Je nach Tageszeit wirken sie freundlich bis beunruhigend. Die Jahreszeiten präsentieren die Bühne mit jedem neuen Vorhang von einer ganz anderen Seite. Sie geben den Akteuren die Gelegenheit, ihren Akt umzudenken, zu variieren oder ganz neu zu starten.

Die Akteuere erwachen in dieser Stadt, kommen von ausserhalb oder aus der Ferne. Alle bringen ihre Rolle mit. Hier werden sie motiviert und manipuliert mitzuspielen.

Es macht mir Spass diese Beobachtungen aufzuzeichnen. Bilder zu kreieren, die nur ich sehe und welche mir als bemerkenswert erscheinen. Als Dokumente des Augenblicks, welcher sich nie wiederholen wird. Dies, weil das Leben nicht auf uns wartet oder auf uns warten will, sondern weil es wunderbarerweise alles um uns, mit jeden frischen Augenblick neu kreiert. Bis zum nächsten Augenblick.

Die Texte drängen sich oft dazwischen, weil immer etwas erzählbares vor mir auftaucht.

Viel Spass,
Peter Kunz
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Schauen Sie auch einmal da rein:
"The Swiss"

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Roger, spann uns länger auf die Folter
Dein Spiel raubt mir den Atem. Die Spannung reisst mich aus dem Sessel. Deine Eleganz begeistert mich. Es ist so unerträglich schön, dir zuzuschauen.

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Beweg dich
Die Spaghettis warten auf uns.

Lust, Fantasie oder Verstand?
Drei herrlich glänzende Erdbeeren lachen mich an. Ihre rote Farbe leuchtet mir freudig entgegen.
Der weisse Boden, auf dem sie sitzen, lässt mir das Wasser im Mund zusammen laufen. "Greif zu" flüstert die Lust mir zu. "Stell dir vor, wie süss sie schmecken", unterstützt sie die Fantasie.

Nun meldet sich noch der Verstand: „Pass auf, denk an dein Gewicht und an Deine Gesundheit. Da ist viel Fett drin, das den Cholesterinspiegel erhöht!".

„Der Zucker tut Deinen Zähnen nicht gut. Karies und Zahnfleischentzündungen sind die Folgen. Lass es lieber!"

Mein Herz setzt sich liebevoll zwischen die beiden Argumente. „Schaut mal, jemand hat diese Torte mit viel Liebe gemacht. Verdient nicht schon allein die Dekoration Euren Applaus? Wollt Ihr dem Pattissier tatsächlich die Freude vergällen?"

Könnte nicht ein Schnitte davon Dich glücklich machen? Mit Kaffee oder Tee und ohne saures Gewissen? Und nach Hause gehst du einfach zu Fuss.

Vielen Dank mein Herz, Deine Lust und Fantasie!

© 2005 Peter Kunz

Asphalt Kau-Boy
Meine Gedanken kreisen um einen Café au Lait, einem getoasteten Baguette und einem . . .

ups, was ist denn das?

Mein rechter Fuss klebt auf dem Gehsteig.
Mit aller Kraft ziehe ich ihn weg. Zwischen Asphalt und meiner Schuhsole spannen sich klebrige Fäden. Aha, das ist die Kombination von Zucker, Polyisobuten, Aluminiumoxyd, Kieselsäure oder Zellulose, zusammen mit einem Weichmacher und wahrscheinlich auch Feuchthaltemittel und Antioxidantien, durchmischt mit Aromen, Säuren, Farbstoffe und Emulgatoren. Scheusslich!

Ich ziehe nochmals. Die Verbindung zum Boden reisst ab. Jetzt nur nicht zurück auf den Asphalt. Auf dem linken Fuss balancierend, gedanklich nahe der Lösung für meine Misere, hüpfe ich zur nächsten Strassenlaterne. Die gibt mir Halt, um einfüssig der klebrigen Masse Zeit zu geben, um zu trocknen.

Es dauert eine Weile. Dieses widrige Monster zeigt mir seinen schlechten Charakter und bleibt einfach kleben. Was ist der Trick, es los zu werden? Der Gedanke an Café au Lait und einer mit Marmelade bestrichenen Baguette geben mir die erforderliche Kraft, mich zu befreien. Geschafft! Die Masse bleibt am scharfen Gehsteigrand kleben.

Hallo Café und Baguette, ich komme.

Wer hat den Kaugummi erfunden?

„Was ist denn geschehen?", fragt mich George, der Bistro-Besitzer. Welch herzhaftes Lachen uns die Geschichte beschert.

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Der Zweitleser
Wer bezahlt das Abonnement?
Mobilphonecamera

Heute keine Parkgebühren
Der Obdachlose überquert die Strasse. Regen prasselt auf seinen feuerroten Regenschutz.
Er geht auf den Mann zu, der neben einer Parkuhr steht. Den Regenschirm zwischen Schulter und Wange geklemmt, versucht er den Schlitz mit Kleingeld zu füttern.

„Vergiss es!", sagt der Obdachlose. „Heute werden die Parkuhren nicht kontrolliert. Wenn's regnet, sitzen die in David's Café und spielen Poker."

Der Mann schaut ihn ungläubig an und blickt zum Himmel. Er hält einen Moment inne und drückt dem Obdachlosen das Geld in die entgegengestreckte Hand.

Ausgleichende Gerechtigkeit.

© 2005 Peter Kunz

Das grosse Sonntagsinterview
Applaus, Applaus

Lieber Gott, ich begrüsse dich im Namen aller Zuschauer, denen im Saal und denen zu Hause vor dem Fernseher.

Herzlich Willkommen.

Danke schön! Applaus, Applaus - danke schön - Applaus

Da dich alle Zuschauer kennen, muss ich nicht viel über dich erzählen.

Meinst Du wirklich?

Ja, ich glaube schon. Dich kennt doch jeder Knirps.

Gut, ich schätze es, so bekannt und beliebt zu sein.

Darf ich mit der ersten Frage beginnen, lieber Gott?

Ja, sicher, mach es dir einfach. Ich bin sehr umgänglich.

Sag mal, wie bist du eigentlich hierher gekommen?

Habe nicht ganz verstanden. Hast du gefragt, warum ich hierher gekommen bin?

Nein, äh, eigentlich ja.

Also, das ist einfach zu beantworten. Ich bin hier, um euch meine grenzenlose Liebe zu schenken.

Ah, das finde ich toll von dir.

Weisst du, schenken macht mir Freude.

Sag mal, was hältst du eigentlich von uns Menschen?

Ist das nicht eine Frage, die Ihr selber beantworten müsstet?

Vielleicht schon, aber deine Meinung ist uns wichtig.

Traust du dir die Antwort nicht zu?

Doch, doch, no Problem.

Also, sage es uns.

Okay, siehst du, es ist so. . . Also, hmm . . . eigentlich. . . Ich glaube, wenn . . .

Leider müssen wir dieses äusserst interessante Interview abbrechen. Das Finale der Fussball-Weltmeisterschaft steht an.

Vielen Dank für's zuschauen und bis zum nächsten Mal.

© 2005 Peter Kunz

Der Vogel, der mit dem Bus tanzte
Im Bus sitzt er neben mir und schaut mir frech ins Gesicht.

„Was für ein sympathischer Kerl", sage ich mir. Seine Augen leuchten schelmisch. Dann blickt er weg, blickt zur Decke und wieder zu mir.

Er treibt das Spiel eine ganze Weile. Auf seiner Schaukel balanciert er den federleichten Körper mit den Bewegungen des Busses. Er putzt seine Federn, betrachtet die Umgebung und genehmigt sich gelegentlich ein Körnchen.

Wiederum richtet er den Blick zu mir, als wollte er sagen „Gäll, das chasch halt nöd!" Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen.

Tatsächlich, der Vogel tanzt mit dem Bus und amüsiert sich köstlich. Locker hüpfen sie über die Schlaglöcher. Und er vermittelt mir eine kleine Weisheit: Geniesse den Moment, nimm ihn so wie er ist. Manchmal liegt sogar ein Tänzchen drin.

© 2005 Peter Kunz


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